André Höflich im Interview

Der Run im Kopf

Vor seinem Start bei den LAAX OPEN spricht André Höflich über mentale Stärke und die Gründe für seine Leistungsexplosion in den vergangenen Monaten. Der 22-Jährige will nach Platz sechs und vier bei den letzten beiden Freestyle-Weltcups hoch hinaus – am besten schon beim Saisonhighlight in der Schweiz.

Du hast diese Saison einen großen Schritt nach vorne gemacht, bist in der absoluten Halfpipe Weltspitze angekommen. Kannst Du erklären, was die Gründe dafür sind?

Andrè Höflich: Das hat sicherlich mehrere Gründe: Ich konnte mein Training den ganzen Sommer ohne Unterbrechung durchziehen. Ich bin fitter denn je. Mir tut nichts weh. Und ich stehe mit deutlich mehr Selbstbewusstsein am Start.

Selbstbewusstsein? Hast Du speziell daran gearbeitet? Inwiefern hat dir das Mentaltraining mit Nicola Thost (erste Halfpipe-Olympiasiegerin) geholfen?

Andrè Höflich: Auf jeden Fall. Das Mentaltraining mit Nicola hat mein Mindset auf ein ganz neues Level gehoben. Wir haben den ganzen Sommer intensiv erst an meinem Selbstbewusstsein und dann an meiner Herangehensweise an einen Contest gearbeitet. Während der Saison, wenn wir viel unterwegs sind, telefonieren wir regelmäßig. Geholfen hat mir aber auch mein Coach (Luca Gartner). Wir haben im Training viele Contest-Situationen simuliert – ich stehe jetzt mit einem anderen Gefühl am Start. Bin lockerer.

Ein anderes Gefühl? Warst du früher verbissener?

Andrè Höflich: Ich mach auf jeden Fall viele Sachen am Start anders. Ich bin nicht mehr durchgehend fokussiert. Sondern schaue nach links und rechts. Quatsche und schaue mir die Damen-Runs an. Fünf Minuten vor meinem Run gehe ich dann in mich, höre einen bestimmten Song und freue ich, dass es losgeht.

Wie wichtig ist mentale Stärke für Deinen Sport?

Andrè Höflich: Extrem wichtig, nicht nur in der Halfpipe. Egal was man macht. Man braucht Selbstbewusstsein, um dann abliefern zu können, wenn es drauf ankommt. Wenn man auf alles vorbereitet ist, kann einem nichts überraschen.

Die LAAX OPEN sind sicherlich das Saisonhighlight vieler Athleten. Was macht den Contest für Dich so besonders?

Andrè Höflich: Die LAAX OPEN sind eines der coolsten Events des ganzen Winters. Es kommen viele Zuschauer. Für mich bedeutet der Contest echt viel, weil es wie ein Heimweltcup ist. Wir verbringen ja die halbe Saison in Laax. Für mich ist es auch was Besonderes, dass meine ganze Familie dabei ist. Meine Eltern und mein Bruder schauen zu – dass ist wegen der weiten Anreise zu den Contests nicht oft möglich.

Was unterscheidet die Halfipe in Laax von anderen?

Andrè Höflich: Die Pipe ist immer in einem top Zustand, top präpariert. Völlig egal, ob Contest oder nicht. Das gibt einem ein sicheres Gefühl. Für mich ist es die beste Pipe der Welt.

Hast Du dir ein bestimmtes Ziel bzw. eine bestimmte Platzierung?

Andrè Höflich: Auf jeden Fall möchte ich ins Finale fahren. Und dort drei coole Runs runterbringen. Ich habe auch noch einen Trick, den habe ich im Contest noch nie gezeigt. Aber dafür muss alles passen.

Du gehörst jetzt zu den besten Halfpipe-Fahrern der Welt. Der Rückstand auf die absoluten Superstars wie Scotty James und Yuto Totsuka schmilzt. Wie fühlt sich das an?

Andrè Höflich: An Scotty und Yuto komme ich noch nicht ganz ran. Aber ich bin auf jedem Fall im Club der besten dabei. Ich merke, dass andere Athleten auf mich zukommen. Ich bin einer von denen und werde eher gesehen. Aber der Respekt untereinander war schon immer da. Jeder respektiert den anderen für seine Leistung.

Und auf was können wir uns diese Saison noch einstellen?

Andrè Höflich: Ich habe gerade erst angefangen. Das kann noch was richtig Großes werden.